


Vielfach werden wir gefragt, wo unsere Instrumente überhaupt herkommen. Deshalb haben wir die Spur der Vergangenheit der Schalmei verfolgt.
Laut neuesten Nachforschungen, ist die Schalmei eines der ersten Blasinstrumente. Dieses Instrument nimmt in der Form einer Aulos die erste Stelle ein. Nach der Forschung ist die Aulos keine Flöte, sondern eine Art Schalmei, ein Rohrblattinstrument mit doppelter Zunge. Es gab fünf Aulosarten. Mehr als drei Oktaven trennen den tiefsten Ton der Bassaulos vom höchsten Ton der Sopranaulos.
In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts begann man auf demselben Instrument in allen Tonarten zu spielen. Einige Exemplare von den oben genannten Instrumenten sind in den Museen in Neapel und London ausgestellt.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte ein Niedergang der Holzblasinstrumente - Krumhorn, Kortholt, Schalmei und Zink - ein. Die Ablehnung der Holzbläser machte sich besonders stark in Italien bemerkbar, dessen Urteil in musikalischen Dingen damals ausschlaggebend war. Doch ging die Kunst auf Holzblasinstrumenten zuspielen, nicht völlig verloren. Aber erst die Verbesserung der Instrumente verhalf ihnen zu neuem Leben. Die Wiedergeburt kam aus Frankreich, wo die Tradition der Holzbläser ungebrochen geblieben war. Das neue Instrument war die Oboe, die aus der seit Jahrhunderten gebräuchlichen Schalmei hervorging. 1657 wurde zum ersten mal eine Oboe in einem Orchester besetzt. Hiermit ist nachgewiesen, daß die Oboe ein "Kind" der Schalmei ist. Sie wurde aus der Schalmei entwickelt, wobei die Schalmei über fast ein Jahrhundert in Vergessenheit geraten war und nur noch die neuentwickelte Oboe gespielt wurde. Erst Anfang des 20.Jahrhunderts gewann die Schalmei wieder an Bedeutung. Sie wurde populär während der Weimarer Republik (1918 - 1933). Damals wurden Demonstrationen und Veranstaltungen der Arbeiterbewegung durch Schalmeienmusik unterstützt. Die Schalmeieninstrumente wurden nach dem 1. Weltkrieg für die Arbeiter entwickelt und zwar so, daß sie sehr schnell und leicht zu erlernen waren.
Die Schalmei ist ein fünf- bis sechszehnhörnige Signaltrompete (Martin-Trompete). Schalmeieninstrumente gibt es in den Stimmlagen Sopran, Alt, Bariton und Akkord- begleitung. Dadurch, daß der Luftstrom am Anfang eines jeden Schalltrichters eine Membrane passiert, - vergleichbar mit der Mundharmonika - sind alle acht Töne einer Schalmei Fixtöne, die auch nicht durch unterschiedlich starkes Anblasen verändert werden können und auf den Umfang einer Oktave begrenzt sind. Neben der Erzeugung der Töne einerseits durch die Membrane, entsteht der ganz besondere, für die Schalmeienmusik so bezeichnete Klang, andererseits auch durch eine diatonische Tonleiter, bei der auf einen Ton nicht der nächsthöhere ganze Ton, sonder ein diatonischer Ton folgt, der entweder tiefer oder höher als ein ganzer Tonschritt ist, wobei ein beabsichtigter Mißklang entsteht. Hinsichtlich dieser etwas außergewöhnlichen Art einer Tonhöhe muß jedes Musikstück eigens für Schalmeieninstrumente geschrieben und arrangiert werden. Dies hat zur Folge, daß die einzelnen Schalmeienkapellen ihr Repertoire verständlicherweise wie ein Staatsgeheimnis hüten und normalerweise keine Noten untereinander ausgetauscht werden.
Durch die Machtergreifung der Nazis 1933 wurden alle Schalmeienkapellen verboten, bis auf einige wenige, die zu den Nazis überliefen. Die meisten Schalmeienkapellen wurden aufgelöst, ihre Instrumente widerrechtlich beschlagnahmt und viele Musiker kamen in die KZ`s und Gefängnisse. Ein erheblicher Teil wurde dort ermordet. Da die Schalmeien- kapellen bei den arbeitenden Menschen sehr beliebt waren, versuchten die Nazis in der SA und der Hitlerjugend einige Schalmeienkapellen aufzustellen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Teilung Deutschlands kam es auch in der Schalmeienmusik zu einer musikalischen Teilung.
Am 07. Juni 1967 wurden die Turnleute, darunter auch die Schalmeienspieler dem Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) zugeordnet. Durch die Unterordnung in das damalige staatliche System der DDR ergab sich, daß die Schalmeienzüge sich mehr auf Paraden und Aufmärsche konzentrierten.
Im Westen kam es zu keiner Verbandsorganisation im Bereich der Schalmeienmusik. Doch zu Beginn der achtziger und Anfang der neunziger Jahre bildeten sich eine Menge Schalmeiengruppen. Im Jahre 1991 mußte die vogtländische Musikinstrumentenfabrik schließen. Bis vor wenigen Jahren bot nur die Firma Martin Schalmeien an. Zwischenzeitlich gibt es wieder die Firma Voigt, die in Markneukirchen Instrumente herstellt. Wer Interesse hat, sollte sich einmal in Markneukirchen im Vogtland das dortige Musikinstrumente Museum anschauen. Ein Teil der dortigen Ausstellung bildet die Schalmeienmusik, einschließlich der Entwicklung im letzten Jahrhundert. Nach den uns bekannten Daten wurde die heute gebräuchliche Schalmei im Jahr 1895 entwickelt, so dass sie 1995 ihr 100 jähriges Bestehen feiern konnte.





